“Zu Risiken und Nebenwirkungen…

…lesen Sie die Geschäftsbedingungen und fragen Sie Ihren Administrator oder Nerd-Freund” oder “Warum Facebook einen Beipackzettel haben sollte”.

“Das Internet? Gibts diesen Blödsinn immer noch?”

(Homer Simpson, in der Folge “Thirty Minutes over Tokyo” Staffel 10, Folge 23)


Web und Datenschutz

Ja den Blödsinn gibt es immer noch. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es heute ohne diesen Blödsinn aussehen würde und was ich dann die ganze Zeit über so tun würde. Aber das WWW ist heute auch nicht mehr der Platz für die Nerds und Freaks (falls es das jemals war). Das Web 2.0 (natürlich auch der fortwährende DSL-Ausbau und fallende Preise für Flatrates) haben hier einen schleichenden Wechsel vollzogen. Viele können (besitzen physikalisch die Möglichkeit) nun das Internet unsicher machen. Lange Zeit gab es für die meisten Leute, abgesehen von Einkaufen, Websuche oder E-Mails schreiben, aber noch keine Gründe das Internet wirklich zu nutzen.

Dann kamen aber Dienste wie MySpace, YouTube und Facebook und plötzlich war nahezu jeder, sei er noch so wenig computer-versiert, im Internet aktiv. Es kann also passieren, dass jemand der gerade erst gelernt hat wie Maus und Tastatur richtig zu bedienen sind, täglich mehrere Stunden vor dem Rechner verbringt. Das mag etwas überspitzt formuliert sein, aber Fakt ist, dass dem Internet einfach eigene Gesetze und Regeln inne wohnen, die ein Computer Neuling erst nach und nach lernt.

Gerade diese Neu-Internet Genaration weiß oftmals nicht, was es das Internet an Gefahren bergen kann. Deswegen soll es heute auch über Facebook gehen, dass es mit seinem Datenschutz noch nicht so genau nimmt und doch von praktisch jedem genutzt wird.

Facebook im Fadenkreuz

Zuallererst: Facebook ist nicht das digitalisierte Böse. Facebook ist allein deswegen bei uns des öfteren in den Medien, weil die Datenschutzbestimmungen einfach noch nicht so ausgereift sind (was im übrigen bei vielen in Amerika beheimateten Unternehmen wie auch Google und Microsoft ähnlich ist), wie wir es in Deutschland gewohnt sind. Nicht von der Hand zu weisen ist dagegen eine gewisse Lethargie, vielmehr eine Unmotiviertheit, mit der Facebook versucht, seinen Datenschutz zu verbessern.

Was passiert also wenn ich mich bei Facebook anmelde? Neben Namen, Geburtstag und der E-Mail Adresse geben viele auch noch Wohnort, Telefonnummern, politische Einstellung, religiöse Einstellung usw. an. Prinzipiel spricht nichts dagegen, aber in den Standardeinstellungen erlaubt man Facebook, dass diese Daten in Suchmaschinen und bei Leuten die ich selber gar nicht kenne (Freunde von Freunden) auftauchen. Außerdem kann Facebook die verschiedenen Daten benutzen, um spezifische Werbung für den jeweiligen Nutzer anzuzeigen oder die Daten an Werbepartner weitergeben.

Vielleicht denkt der eine oder andere jetzt, dass ihm das egal sei, aber ich gebe zu bedenken:

Ein potenzielle Arbeitgeber könnte nach der Durchsicht der Fotosammlung “Mallorca 2010 – Sangria olé” einen anderen Bewerber aussuchen;

ein Internetgauner kann die öffentlich gestellte E-Mail Adresse an Spamversender verkaufen;

die/der Exfreund/in kann via Facebook der/dem aktuellen Freund/in so manches privates Geheimnis (aus Rachegründen?!) offenbaren.

Anmerkung: Das ist natürlich alles nur Theorie, was passieren könnte. Es kann hier keinesfalls von einem ist-Zustand gesprochen werden.

Dazu kommt, dass das Internet, im Gegensatz zum menschlichen Gehirn, so gut wie nicht vergisst. Diese Informationen können also theoretisch noch eine Weile über Suchmaschinen o.ä. gefunden werden.

Das bedeutet im Klartext: Was ich bei Facebook angebe, bleibt nicht unbedingt bei Facebook oder ist nicht nur für meine Freunde einsehbar.

Natürlich muss man deswegen nicht unbedingt gleich Facebook den Rücken kehren. Die vielen Vorteile (Kontaktpflege, Veranstaltungsplanung, Vernetzung usw.) bleiben ja bestehen. Aber es muss einfach realisiert werden, dass bei der Nutzung von Facebook möglicherweise auch Leute mitlesen die man nicht autorisiert hat (sucht einfach mal nach eurem Namen oder dem eines Freundes bei Google, was dort auftaucht ist für jeden Internet Nutzer einsebar).

Desweiteren werden Kommentare die ihr zu Freunden postet ja auch von Leuten gelesen die ihr nicht kennt. Schreiben diese eine Antwort erscheint sie in seiner Zeitleiste; und kann natürlich wiederum von seinen Leuten (euch noch weniger Bekannten) gelesen werden.

Bitte hierzu auch die Links gegen Ende des Beitrags beachten.

Schutzmaßnahmen

Es ist zwar in den Terms of Service von Facebook ausdrücklich nicht erlaubt falsche Namen oder ähnliches anzugeben, aber da der Dienst ja bekanntlich aus Nordamerika kommt, sind die Möglichkeiten zur Kontrolle der angegebenen Personalien wohl nicht gegeben. So habe ich in letzter Zeit vermehrt einige Phantasienamen in meinem Profil entdeckt.

Was außerdem bei der Registrierung (oder natürlich auch im Nachhinein) beadacht werden soll: Facebook versendet gerne und viele E-Mails. Das kann zwar in den Benachrichtigungsoptionen schön angepasst werden, aber trotzdem schadet es nicht, wenn man für seinen Facebook Account eine seperate E-Mail Adresse verwendet. Sollte jemand keine alternative Adresse besitzen, so sollte generell in Betracht gezogen werden, dass für die Anmeldung bei Online-Diensten ein zweiter E-Mail Account eingerichtet wird, kostenlose Alternativen gibt es genügend (Live, GMail, Yahoo, GMX, uvm.) dann besteht für eure Haupt-E-Mail Adresse auch nicht die Gefahr, dass das Postfach überläuft.

Natürlich ist es auch wichtig, dass in den Kontoeinstellungen bzw. Privatsphäre Einstellungen unter allen Menüpunkten zumindest ‘Nur Freunde’ oder noch restriktiver (geht unter ‘Benutzerdefiniert’)

Facebook Einstellungen

eingestellt wird. Ist etwas aufwendig, aber natürlich auch in eurem Interesse. Außerdem hat Facebook hier auch mittelfristig Besserung angekündigt (englische Quelle).

Beim Einstellen kann euch der Leitfaden gut weiterhelfen (Link siehe weiter unten) oder ihr benutzt einfach folgende Methode: Geht auf diese Seite, zieht den kleinen Button “Scan for Privacy” in eure Lesezeichen oder Favoriten. Logt euch in euer Facebook-Profil ein und klickt dieses Lesezeichen an. Kurz darauf wird euch ein kurzer Bericht angezeigt,

Facebookder mögliche Schwachstellen anzeigt und es ermöglicht die betreffenden Einstellungen direkt zu ändern.

Noch geschickter ist es natürlich, so wenig Daten wie möglich in euer Profil einzugeben. Dann müssen sie auch nicht versteckt werden. Wer euch kennt, weiß das meiste sicherlich so, wer euch nicht kennt muss nicht euer Freund sein.

Das ist dann auch der nächste Punkt: Manche halten es für toll, wenn sie tausende Freunde auf Facebook haben. Das ist absoluter Schwachsinn. Bekommt ihr eine Freundschaftsanfrage von einem Unbekannten, wird sie gelöscht. Ohne zögern. Das ist nicht nur für euch wichtig, sondern auch für eure Freunde. Denn wie bereits gesagt, hinter einem seriös wirkenden Namen oder einem hübschen Foto, kann eine ganz andere Person stecken und wir wollen doch den Begriff Freund nicht noch mehr strapazieren, als er eh schon von Facebook strapaziert wird.

Über Neuigkeiten zur Sicherheit und Datenschutz könnt ihr auch auf dem laufenden bleiben wenn ihr folgenden Gruppen beitretet:Privacy Now – Gruppe, Facebook Deutschland

 

Weiterführende Links, die unbedingt lesenswert sind:

 Leitfaden zum Schutz der Privatsphäre in sozialen Netzwerken (klicksafe.de)

Gutes Facebook, schlechtes Facebook (zweipunktnull.org)

Was Facebook über Nicht-Mitglieder weiß (heise.de)

Verbraucherschützer warnen vor FB-Datenschutzbesimmungen (heise.de)

Abschließenden Gedanken

Facebook bietet interessante Möglichkeiten. Wer es nutzt weiß das. Oftmals weiß man aber nicht um die Gefahren die zwar da sind, aber nicht in dem dramatischen und gefährlichen Ausmaß, das uns die Medien vorgaukeln wollen. Wer Facebook nicht nutzt, kennt natürlich auch nur diese Medienberichte.

Deswegen sollten wir uns nicht verrückt machen lassen, und uns eher dafür einsetzen, dass das was nicht passt augenscheinlich gemacht und verbessert wird. Der positiven Effekt, den die Medien schaffen, dass sich eine öffentliche und allgemeine Diskussion zu dem Thema bildet, sollte von uns Insidern dazu genutzt werden, falsche Vorwürfe zu widerlegen und gemeinsam (ist das nicht ein Grundgedanke des Web 2.0?!?) eine positive Entwicklung des Portals anzustreben.

Das kann sich in konstruktiver Kritik, umsichtigem Verhalten und natürlich in Hilfen für weniger versierte Nutzer (sprecht eure Freunde doch einfach mal an, ob sie sich mit den ganzen Einstellungen der Facebook Seite auskennen und helft ihnen wo Fragen sind; -> Aufklärung für Facebook betreiben) materialisieren.

Diese Videos, die mir im Verlauf der Recherche begegnet sind, zeigen auf humorvolle Weise was Facebook ist und was es nicht ist.

Facebook trifft Realität

 

25 Dinge die an Facebook nerven

 

Wenn Facebook überbenutzt wird

 

Falls nun Fragen aufgetaucht sind, sich Unsicherheiten gebildet haben oder ihr euch noch nie so sehr einen “Dislike” Button (eben für diesen Beitrag) gewünscht habt: Sagt es eurem Nerd-Freund, der hat fast immer (digitale) Sprechstunde. Wink

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